Jen guckte Jack an, dann wieder den Fisch. Seufzend verschränkte sie ihre Arme vor dem Oberkörper. Sie war heute Morgen ins Wohnzimmer gekommen und hatte den Fisch tot, mit dem Bauch nach oben schwimmend, vorgefunden.
„Ich hoffe, du bist glücklich. Du hast den Fisch getötet.“
Jack guckte sie ungläubig an: „Du verarschst mich, oder?“
„Nein. Du hast ihn getötet.“
„Nein, du hast ihn getötet.“
„Wie soll ich ihn getötet haben?“
„Hast du ihn gestern Abend gefüttert, wie ich dich gebeten habe?“
Jack schüttelte seinen Kopf. „Du hast mich nie darum gebeten.“
„Doch, habe ich. Ich habe ziemlich genau gesagt, 'Jack, füttere meinen Fisch'.“
„In welcher alternativen Welt lebst du, denn du hast mich nicht darum gebeten den Fisch zu füttern. Wenn schon ist es deine Schuld, denn du könntest deinen Fisch selbst füttern. Außerdem denke ich nicht, dass ihn diese eine ausgelassene Mahlzeit umgebracht hat.“
Sie schüttelte ihren Kopf. „Ich frage mich, ob es ein Gefängnis für Goldfisch-Mörder gibt.“
Jack rollte mit seinen Augen. „Ich hab deinen Fisch nicht getötet. Das warst du!“
„Ich würde so etwas nicht machen.“
„Du hast nie mit dem Fisch gesprochen. Du hast ihn vernachlässigt.“
„Man kann einen Goldfisch nicht vernachlässigen.“
„Ich bin sicher, das geht. Die einzige Zeit, in der du dich um ihn gekümmert hast, war, als du dich an etwas erinnern wolltest. Du hast nie mit ihm gesprochen, nette Dinge zu ihm gesagt. Du hast nie mit ihm gespielt.“
„Das ist lächerlich, du kannst nicht mit einem Goldfisch spielen. Ich wollte es auch nicht.“
„Siehst du! Vernachlässigt!“
Ein Klopfen an der Tür ließ Jack aufschrecken. Er öffnete die Tür und entdeckte Pacey.
„Hey, Gretchen hat mir gesagt, dass Jen den Karton mit den Klamotten haben wollte und hat mich geschickt.“
Jack führte ihn zu Jen, welche vom Boden aufsah und ihn ansah. „Hey, Pacey.“
„Hey, Jen. Seid ihr beiden so gelangweilt, dass ihr einen toten Fisch anstarren müsst?“
„Nein.“
„Jack hat meinen Fisch getötet."
Pacey sah Jack an. „Hast du irgendwas gegen Fische?“
„Ich habe ihren Fisch nicht getötet."
„Doch hast du.“ Sie guckte Pacey wieder an. „Ich habe ihn gestern gebeten meinen Fisch zu füttern und schau was mit ihm ... oder ihr passiert ist. Woher weiß man, was ein Goldfisch ist?“, fragte sie während sie den Fisch ansah, der bewegungslos im Wasser lag.
„Wenn ich wüsste“, sagte Pacey als er den Karton abstellte. Er setzte sich auf die andere Seite des Tisches und starrte den Fisch an. „Wenn ihr ihn nicht ins Klo runterspült, fängt das ganze Haus an zu stinken.“
Jack seufzte und setzte sich neben Jen. „Ich darf es nicht machen.“
Jen seufzte. „Siehst du, er will ihn runterspülen, weil er sich schuldig fühlt. Er will den Beweis vernichten.“
Jack stöhnte. „Welchen Beweis? Es ist ein toter Fisch. Wenn du einen Beweis findest, dass ich ihn getötet habe ...“
„Du hast ihn nicht gefüttert, Jack.“
„Weil du es mir nicht gesagt hast.“
Pacey sah das Fischglas an. „Wie lange sitzt hier jetzt schon, starrt den Fisch an und argumentiert?“
„Zwanzig Minuten.“
Pacey schüttelte den Kopf und stand auf. „So gerne ich auch weiter mit euch darüber diskutieren würde ... Ich habe eine Freundin, die auf mich wartet. Während ihr also über einen toten Goldfisch streitet, werde ich Sex haben.“
Pacey ging aus dem Raum und Jack und Jen schauten ihm nach. „Ich hasse ihn“, sagte Jack mit einem Seufzen.
„Ich auch. Aber nur weil er Sex haben wird. Ich hab's!“
„Was hast du?“
„Deine negativen Schwingungen haben ihn getötet.“
„Negative Schwingungen?“
„Ja. Du hast nie den Zweck eines Fisches verstanden, er hat deine nicht vorhandene Liebe gefühlt und so begann der Fisch Selbstmord.“
„Also hat der Fisch sich selbst getötet? Dann bin ich vom Haken.“
„Niemals.“ Sie zog ihre Knie an ihren Körper und starrte den Fisch an. „Du hast ihn dazu gebracht.“
„Habe ich nicht.“
„Hast du wohl.“
„Weißt du was?“
„Was?“
„Es ist Zeit dem Fisch tschüß zu sagen.“
Jen lehnte den Kopf an das Fischglas und verfolgte dann Jack zum Badezimmer. Er nahm das Glas und hielt es über die Toilette. „Sag tschüß. Irgendwelchen letzten Worte oder so?“
Jen seufzte und verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Ja.“ Sie guckte zum Fischglas. „Du warst ein guter Fisch, bis Jack dich getötet hat.“
Jack kniff seine Augen zusammen und schaute den Fisch an. „Dein Besitzer wird vielleicht der Nächste sein.“
„Du hast es zugegeben.“
Jack schmiss den Fisch in die Toilette und spülte. „Weißt du was? Das war die unschmerzlichste Beerdigung bei der ich jemals war.“
Jen nickte. „Komm mit.“
„Wohin gehen wir?“
„Du schuldest mir einen Goldfisch.“
Jack rollte mit seinen Augen. „Ich habe das dumme Ding nicht getötet.“
Jen seufzte, „Doch hast du!“
„Habe ich nicht.“
„Hast du doch.“
ENDE